Eine Kameradschaft, die ein Leben lang hält
Seit 40 Jahren gibt es die Altersabteilung der Freiwilligen Feuerwehr in Uhingen. Sie entstand aus dem Wunsch heraus, dass die ehrenamtlichen Rettungskräfte nach ihrer aktiven Zeit weiterhin das besondere Miteinander pflegen können. In Uhingen sind die Mitglieder der Abteilung, übrigens aus der gesamten Stadt inklusive den Teilorten, genauso umtriebig wie die aktiven Feuerwehrmitglieder. Jahre- oder gar jahrzehntelang bestimmt der Alltag bei der Freiwilligen Feuerwehr das Leben. Das Privatleben hat sich unterzuordnen, wenn die Rettungskräfte ausrücken müssen. Doch was ist, wenn sich das Alter bemerkbar macht und es nicht mehr so einfach ist, mit zu Einsätzen auszurücken? Scheiden diese zwar in die Jahre gekommenen aber nach wie vor noch wertvollen Ehrenamtlichen einfach mir nichts dir nichts aus der Feuerwehr aus? Die Kameradschaft endet aber nicht, wenn die Ehrenamtlichen aus dem aktiven Feuerwehrdienst ausscheiden. Einmal Feuerwehr, immer Feuerwehr. Denn in der Altersabteilung bringen sich die Lebensretter a.D. noch immer ein – mit ihrem unschätzbaren Erfahrungsschatz und ihrer ein Leben lang gelebte Hilfsbereitschaft. Wie wichtig eine Altersabteilung der Freiwilligen Feuerwehr ist, zeigt sich in Uhingen: Dort gibt es die Abteilung bereits seit 40 Jahren, was bei einem Festakt gefeiert wird.
„Zu Beginn der 80er Jahre wurden in Deutschland die ersten Altersabteilungen bei den Freiwilligen Feuerwehren gegründet. Dies war auch in Uhingen das Startsignal eine Altersabteilung innerhalb der FFW Uhingen aus allen Stadtteilen zu gründen“, erinnert sich Wolfgang Euchner, der zum damaligen Zeitpunkt Jugendfeuerwehrwart war und mittlerweile Leiter der Altersabteilung ist. „Somit schließt sich nach 40 Jahren der Kreis“, ergänzt Wolfgang Euchner schmunzelnd. Bei der Feuerwehrhauptversammlung im Dezember 1982 wurde einstimmig die Gründung einer Altersabteilung beschlossen. Acht Männer aus allen Stadtteilen gründeten dann am 1. Januar 1983 die Altersabteilung. Damit schlossen sie sich einer Bewegung innerhalb der Feuerwehren an, die noch am Anfang stand.
„Wenn man die vergangenen 40 Jahre betrachtet, von den Anfängen bis heute, so hat die Altersabteilung innerhalb der FFW Uhingen einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt in Harmonie und Kameradschaft innerhalb der Wehr und auch der Stadtteile geleistet“, betont Wolfgang Euchner. Unterschiedliche Veranstaltungen wie Weihnachtsfeier oder Ausflüge und Teilnahmen an Aktivitäten des Kreisfeuerwehrverbands gehören ebenso dazu, wie die Tatsache, dass die Frauen der verstorbenen Kameraden zu einigen Aktivitäten und Festen eingeladen werden. „Jeder, der in der Feuerwehr war oder in der Familie oder im Freundeskreis jemanden hat, der sich in der Feuerwehr engagiert, weiß: Feuerwehr ist wie Familie, da lässt man niemanden im Stich“, lobt auch Uhingens Feuerwehrkommandant Steffen Kwiatkowski den starken Gemeinschaftssinn. Und zu manchen Anlässen ziehen sich die Mitglieder der Altersabteilung ihre Dienst- oder Ausgehuniform über und verleihen damit ihrer Leidenschaft für das Ehrenamt Ausdruck, obwohl die Zeit der aktiven Einsätze hinter ihnen liegt.
Das belegen auch die Zahlen: Mittlerweile gehören 33 Kameraden der Uhinger Altersabteilung an – von anfangs 8. Und eines der Gründungsmitglieder ist immer noch dabei: Artur Dannenmann aus Sparwiesen. „Wir sind die personalstärkste Abteilung der Wehr“, sagt Wolfgang Euchner stolz.
Die Altersabteilung spielt in der Gesamtwehr eine große Rolle, betont Kommandant Steffen Kwiatkowski. Kameraden die sich mit Leib und Seele für die Feuerwehr eingesetzt haben, würden im Regelfall ein Leben lang mit ihr verbunden bleiben. Mit Erreichen des 65. Lebensjahr erfolgt automatisch der Wechsel in die Altersabteilung. In Einzelfällen, etwa bei gesundheitlichen Gründen, könne ein Wechsel bereits ab dem 55. Lebensjahr erfolgen. „Der Wechsel in die Altersabteilung bietet die Möglichkeit, dass sich die Kameraden ihr Leben ohne Einsätze gestalten können und Aktivitäten miteinander durchführen“, betont Steffen Kwiatkowski. „So können die Kameraden weiterhin innerhalb der Feuerwehr ausgefüllte Stunden erleben und die Kameradschaft weiter pflegen.“
Und damit den 33 Alterskameraden nicht langweilig wird, dafür sorgen neben den regelmäßigen Ausflügen auch ein gemeinsamer Dienst, der jedem Monat am zweiten Donnerstag ansteht. „Im Dienstplan legen wir großen Wert auf eine spannende Abwechslung wie Betriebsbesichtigungen, Vorträge über aktuelle Themen oder andere Führungen“, betont Wolfgang Euchner. So ging es kürzlich ins Feuerwehrmuseum nach Kirchheim/Teck oder es gab einen Infoabend zur Zukunft des Heizens, bei dem der Leiter der Energieagentur, Timm Engelhardt, über die Materie sprach. Gibt es Dienstbesprechungen; was wird darin besprochen? „Wie in jedem Verein, haben wir auch bei uns einen Ausschuss, in dem interne Angelegenheiten besprochen und notwendige Entscheidungen getroffen werden“, fügt der Leiter der Altersabteilung hinzu.
Doch anders in der regulären Feuerwehr, wo von den insgesamt 131 Ehrenamtlichen sechs Frauen aktiv sind, ist die Uhinger Altersabteilung vorerst ein reiner Männerclub. „Die ersten Kameradinnen können erst nach Beendigung der aktiven Dienstzeit mit 65 Jahren in die Altersabteilung übernommen werden“, ergänzt Wolfgang Euchner. Das sei aber erst perspektivisch ab dem Jahr 2070 der Fall, „da in die aktive Uhinger Wehr erst gegen 2010 Frauen eingetreten sind“.
Und auch Uhingens Bürgermeister Matthias Wittlinger, der selbst einige Jahre in der aktiven Wehr in Geislingen-Weiler gedient hat, hebt die Bedeutung der Altersabteilung hervor. „Wir sich über viele Jahre hinweg in der Feuerwehr engagiert und dieses beeindruckende Kameradschaftsgefühl erlebt hat, für den würde die Welt wegbrechen, nur wegen des Alters nicht mehr zu den Aktiven zu gehören“, sagt der Bürgermeister. „Dass unsere Altersabteilung nun schon seit 40 Jahren existiert und das Miteinander dort so vorbildlich gepflegt wird, macht mich als Bürgermeister stolz.“