„Du siehst echt cool aus!“ Mit diesen Worten hat ein Junge das Outfit eines Bereitschaftspolizisten in voller Montur beurteilt. In der letzten Woche der Ferien hatten er und 19 weitere Kinder beim Schülerferienprogramm der Stadt Uhingen die Gelegenheit, etwas aus dem mitunter gefährlichen Alltag der Bereitschaftspolizisten aus Göppingen zu erfahren. Dabei zeigte sich, wie wichtig die richtige Schutzausrüstung und Vertrauen in die Kollegen ist, um bei Einsätzen nicht verletzt zu werden.
Doch bevor es mit Pfefferspray, Schlagstock, schusssicherer Weste und Co. ins Detail ging, erfuhren die 20 Mädchen und Jungen zunächst, was der Unterschied zwischen Streifen- und Bereitschaftspolizisten ist. Einerseits seien sie von Weitem schon erkennbar, verriet eine Polizeibeamtin: Streifenpolizisten tragen eine Uniform bestehend aus Hose sowie Hemd und fahren in Streifenfahrzeugen. Bereitschaftspolizisten tragen dagegen eine einheitlich gefärbte Einsatzkleidung, die sämtlichen Strapazen Stand halten muss, und rücken im großen Mannschaftswagen aus.
Und dann stand Kuscheln auf dem sogenannten Alarmplatz an, auf dem sich die Bereitschaftspolizisten vor einem Einsatz sammeln und dann von dort aus ausrücken, um Leib und Leben anderer Menschen zu schützen. Doch nicht die Polizisten haben Streicheleinheiten abbekommen, sondern ihre vierpfotigen Kollegen. Denn Vertreter der Hundeführerstaffel gaben Einblicke in den Alltag eines Polizisten, dessen bester Partner eine kalte Schnauze hat. Die Kinder sahen, wie die elf Jahre alte Hündin Stella aufs Wort hörte. Der sechsjährige Rüde Paul schnüffelte emsig an den jungen Besuchern und ihren Begleitern. „Das liegt wohl daran, dass wir heute noch beim Tierheim waren“, erklärte eine Mutter lachend. Die Hundeführer erlaubten es den Mädchen und Jungen denn auch, die Vierbeiner zu streicheln, was diese genossen.
Dass der Einsatz für Hundeführer und Tier nicht nur aus Kuscheln besteht, wurde schnell deutlich, als ein Polizist seine Ausrüstung an der Weste erklärte: Trinkflasche mit Wasser für das Tier; Erste-Hilfe-Set, um beispielsweise den Hund, einen verletzten Menschen oder sich zu versorgen; ein Funkgerät und ein GPS-Gerät, um bei einer Vermisstensuche den Weg zu dokumentieren. Und was so eine Weste mit Ausrüstung wiegt, erlebten Freiwillige sogleich, indem sie diese anprobierten. „Die Ausbildung zum Personenspürhund beginnt bei den Welpen im Alter zwischen acht und neun Wochen; sie dauert zwei Jahre“, sagte der Hundeführer zu den aufmerksam lauschenden Kindern. Bei Schutzhunden, die ihr Herrchen oder Frauchen vor Angriffen beschützen und bei de Suche nach Straftätern helfen sollen, beginnt die Ausbildung später. „Erst ab einem Jahr; dann sieht man nämlich, ob die Hunde charakterlich geeignet sind“, erfuhren die Kinder.
Stiche, Schläge, Stein- und Glassplitter, brennende Wurfgeschosse: Damit können Bereitschaftspolizisten schonmal im Einsatz konfrontiert werden. Wie sie sich davor bestmöglich versuchen zu schützen, erklärte ein Polizist. Sorgfältig platzierte er vor einem silbernem Mannschaftswagen seine Ausrüstung auf dem Boden vor den Kindern, die sich in einem Halbkreis um ihn versammelt hatten. Dazu zählen drei unterschiedliche Westen:
- eine Schutzweste, mit ballistischem Schutz, die auch stichhemmend bei Messerangriffen wirkt
- die Körperschutzausstattung, die Folgen von Schlägen, Tritten und Bewurf abmildert („Wenn wir glauben, dass jemand böse wird und Steine oder Flaschen auf uns wirft wie bei Fußballspielen etwa“, so der Polizist.)
- darüber kommt dann die taktische Weste – mit Ausrüstung wie Funkgerät, Schlagstock, Erste-Hilfe-Set, Einsatz- und Medizin-Handschuhen
„Das wiegt zirka 15 Kilogramm“, sagte der Beamte den staunenden Kindern. Doch das war noch nicht alles an Ausrüstung. Hinzu kommen noch Pfefferspray mit einer Reichweite von drei Metern; Schienbeinschoner, wenn etwa Steine und Flaschen in Richtung der Polizisten geschmissen werden und deren Splitter durch die Hosenbeine gelangen und zu Verletzungen führen können; und ein Holster mit Pistole. Doch anders als Streifenpolizisten befindet sich das Holster bei den Bereitschaftspolizisten nicht an der Hüfte, sondern am Oberschenkel. „Wenn ich nämlich im Einsatzwagen sitze, drücken die vielen Westen sonst auf das Holster, was unbequem sein kann“, erklärte der Polizist. Hinzu kommen Armprotektoren und ein Schild, um sich zu schützen oder es im Einsatz zu nutzen, um aggressive Menschen zurückzudrängen, sagte der Polizist freundlich und leicht verständlich.
Und wie er da so in voller Montur dastand, so wirkte er wie ein moderner Ritter. Und was darf einem Ritter nicht fehlen? Der Helm. Doch bevor der Polizist diesen aufsetze, zog er sich eine Flammenschutzhaube über. „Wenn jemand Gegenstände auf uns wirft, die brennen, schützt uns diese Haube“, sagte de Polizist, als wäre so eine Situation das Normalste der Welt.
Dass es weitaus gefährlichere Einsätze geben kann, bei denen die Polizisten buchstäblich ihr Leben riskieren, zeigte im Anschluss ein weiterer Polizist anhand seiner Einsatzbekleidung: Er zog sich eine dicke Weste und einen entsprechenden Schutz von Hals, Schultern, oberem Rücken und Brustbereich sowie einen schweren Helm über. „Das ist die Amokschutzausrüstung“, sagte eine Polizistin. Diese ziehen die Bereitschaftspolizisten über, wenn sie wissen, dass lebensbedrohliche Situationen auf sie warten – etwa bei einem Amokalarm oder einem mit Schusswaffen bewaffneten Menschen.
Während die Kinder das ganze recht cool fanden, hinterließ die Schutzausrüstung bei den erwachsenen Begleitern ein mulmiges Gefühl: All das ist notwendig, weil es Menschen gibt, die bei Demonstrationen oder am Rande von Fußballspielen oder in einer Ausnahmesituation ihre Aggressionen abbauen oder – noch schlimmer – andere Menschen verletzen oder gar töten wollen.
Das Polizeipräsidium Einsatz, dem die Bereitschaftspolizei angegliedert ist und dessen Polizisten zu Einsätzen in ganz Baden-Württemberg sowie der Bundesrepublik ausrücken, will mit dem Angebot beim Schülerferienprogramm aber vor allem zwei Sachen: Um Verständnis für den Job werben und junge Menschen für den Beruf als Polizist begeistern.
Und letzteres geht beim Schülerferienprogramm zusätzlich über spaßige Aktionen: So fuhren die Kinder in Tret-Polizeiautos mit echter Sirene durch einen Parcours, durften sich Buttons – Favorit war das Wappen der Polizei in Baden-Württemberg – anstecken, im Mannschaftswagen eine Lautsprecherdurchsage machen und die Sirene sowie das Blaulicht aktivieren und wurden dann in den Polizeifahrzeugen zum Ausgang befördert. Davon zeigten sich die Mädchen und Jungs tief beeindruckt. Und auch die Polizisten, die ihr Gelände mehrfach für interessierte Kinder bei Ferienprogrammen von Städten und Gemeinden sowie Institutionen wie dem Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser Göppingen e.V. öffnen, waren zufrieden. „Der Besuch von Kindern“, sagte ein Polizist, „ist eine sehr willkommene Abwechslung zu unserem Alltag.“
Info: Weitere Infos gibt es auf https://ppeinsatz.polizei-bw.de/ im Internet. Wer mehr über die Angebote der Stadt Uhingen während der Ferien wissen will, kann sich auf www.uhingen.de/schulferien informieren.